Große Proteste gegen Höckes Auftritt in Lobeda
Am 27. Oktober 2026 gingen wir gemeinsam mit vielen tausend Menschen in Lobeda-West auf die Straße, um gegen einen Auftritt des rechtsextremen AfD-Politikers Björn Höcke zu protestieren und ein Zeichen für eine solidarische, offene und vielfältige Gesellschaft zu setzen. Nach Angaben der Polizei demonstrierten etwa 3.000 Menschen,1 das Bündnis „Rechtsruck Stoppen“ spricht von rund 4.000 Demonstrierenden.2

Vor Beginn des Demo-Zugs sprachen auf Einladung des Bündnisses „Jena solidarisch“ zum einen Renate Sternatz, stellvertretende Vorsitzende des DGB Hessen-Thüringen, die mit Nachdruck ein AfD-Verbotsverfahren forderte, sowie Ralph Grillitsch, Präsident des FC Carl Zeiss Jena, der ein flammendes Plädoyer für einen Fußball ohne Menschenfeindlichkeit mit Respekt und Toleranz für alle Menschen hielt. Der Verein sei zwar parteipolitisch neutral, dies bedeute jedoch nicht, keine Haltung zu haben.
Der gemeinsame Weg durch Lobeda-West war bunt und musikalisch. Viele junge und ältere Menschen, Familien, auch die Gewerkschaften waren vertreten: Menschen mit Warnwesten unter anderem der IG Metall Jena-Saalfeld und Gera, ver.di und GEW waren sichtbar mit im Demo-Zug unterwegs. Viele Menschen hatten Fahnen und Schilder mit Botschaften gegen die AfD dabei. Unter den auffallend vielen jungen Leuten und Schüler*innen befand sich eine große Anzahl derer, die sich aktuell auch gegen den neuen Wehrdienst zur Wehr setzen. Aus den Boxen dröhnten neben Disarstar und Danger Dan auch ABBA, Billy Joel und Tokio Hotel, an den Fenstern und auf den Balkonen tanzten immer wieder Menschen und winkten dem Zug zu. In einer kurzen Zwischenkundgebung am Wendepunkt in der Emil-Wölk-Straße betonte Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt, dass Liebe immer stärker sei als Hass. Eine kleine Gruppe Musiker*innen vom „Klang der Stolpersteine“ spielte an wechselnden Positionen Blasmusik. Zu einem späteren Zeitpunkt stieß ein weiterer Demo-Zug des ADFC Jena-Saaletal mit vielen Radfahrer*innen hinzu.
Abseits der Hauptdemo bemühten sich Protestierende an vier verschiedenen Punkten, mit Sitzblockaden die Anreise von Höcke zum Stadtteilzentrum LISA zu erschweren.2 Anders als 2024, als Höcke schon einmal in Jena sprechen wollte, der Protest von etwa 2.000 Menschen diesen Auftritt jedoch verhindern konnte,3 gelang es ihm dieses Mal mit Unterstützung der Polizei, seine rechtsextremen, menschenfeindlichen Parolen rund um Themen wie „Remigration“ loszuwerden.4 5 „Rechtsruck Stoppen“ kritisiert das Vorgehen der Polizei gegen die Protestierenden scharf; es sei teils ohne vorherige Ankündigung zu massiver Gewalt gekommen: „Teilnehmende berichten von einem unverhältnismäßigen Einsatz von Pfefferspray, Schlagstöcken und Tritten gegen Protestierende, die bereits zurückgewichen waren oder am Boden lagen.“2 Solange der Staat untätig bleibe gegen einen Politiker wie Höcke, der ein menschen- und demokratiefeindliches Programm vertrete und dessen Partei Millionen von Menschen gewaltsam deportieren und politische Gegner*innen verfolgen wolle, sei die Zivilgesellschaft in der Pflicht zu handeln. Auch in einem Video-Beitrag von Jena TV sieht es so aus, als sei die Räumung gar nicht zwingend notwendig gewesen.6 Die Polizei berichtet ihrerseits von etwa einem Dutzend Vorkommnissen.1
Der Auftritt des AfD-Landesvorsitzenden und Faschisten Björn Höcke im LISA konnte indes nur unter erschwerten Bedingungen stattfinden. Aufgrund eines Stromausfalls, zu dem inzwischen wegen Verdachts auf Sabotage ermittelt wird6, gab es im Veranstaltungsraum weder ein funktionierendes Mikrofon noch die vollständige Raumbeleuchtung: Höcke musste im Halbdunkeln und ohne Mikro vor seinen knapp 200 Anhänger*innen sprechen.7 Zudem konnte die Veranstaltung erst mit Verspätung beginnen und musste aus Sicherheitsgründen, da der Notstrom nicht lange genug ausreichen würde, frühzeitig beendet werden, etwa zwei Stunden eher als geplant.8 Aus dem angesetzten „Bürgerdialog“ wurde so eher ein kurzer Monolog.
Vor dem LISA versammelten sich währenddessen die Demonstrierenden und skandierten laut „Nazis raus!“ und weitere antifaschistische Parolen. Neben Katharina König-Preuss von der Partei Die Linke sprachen bei der Endkundgebung außerdem Katja Glybowskaja, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des AWO Landesverbandes Thüringen e.V., Andreas Simon, Pfarrer der Stadtkirche und Vorsitzender des Gemeindekirchenrats Jena, sowie Prof. Dr. Jens-Christian Wagner, Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora. Letzterer kritisierte in seinem Beitrag Höckes Geschichtsrevisionismus scharf und ermunterte die Menschen, sich weiter antifaschistisch zu engagieren.
Der Protest gegen Höcke ist Ausdruck einer Widerstandskultur, wie wir sie in Jena seit über 20 Jahren leben und die wir für sehr wichtig erachten: Eine breite Front aus zivilgesellschaftlichen Organisationen und Antifaschist*innen, die alle Protestmittel nutzt, um Faschist*innen keinen Raum zu überlassen, einschließlich Mitteln wie massivem zivilen Ungehorsam und Sabotage.
Wie schon in unserem Aufruf zur Teilnahme an den Protesten möchten wir noch einmal mit Nachdruck betonen, dass zum einen die AfD eine aus unserer Sicht klar rechtsextreme Partei mit vielfach faschistischen Zielen ist, die mit dem Grundgesetz und unseren Werten wie Achtung der Menschenwürde und Toleranz nicht vereinbar sind. Zum anderen ist Höcke, für den verschiedene Gerichte bestätigt haben, dass es legitim ist, ihn als „Faschisten“ oder „Nazi“ zu bezeichnen, kein ‚gewöhnlicher‘ AfD-Politiker. Und denjenigen, die kritisieren, solche Proteste würden der AfD überhaupt erst Aufmerksamkeit verschaffen, sei entgegnet: Wer schweigt, trägt zur Normalisierung dieser Partei und ihrer menschenfeindlichen Parolen bei. Jena bleibt laut und stabil!
Weitere Presseberichte über die Proteste:
- https://www.jenatv.de/mediathek/86364/Stromausfall_und_Protest_bei_Buergerdialog_mit_Hoecke.html
- https://www.otz.de/lokales/jena/article413514267/liveticker-hoecke-in-jena-rund-um-den-afd-buergerdialog-formiert-sich-breiter-protest.html
- https://www.thueringer-allgemeine.de/politik/article413524477/stromausfall-waehrend-buergerdialog-in-jena-lobeda-hoecke-spricht-im-dunkeln-und-ohne-mikro.html
- https://www.sueddeutsche.de/politik/demonstration-tausende-protestieren-gegen-hoecke-auftritt-in-jena-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-261027-930-902721
- https://www.thueringer-allgemeine.de/video/article413528450/afd-buergerdialog-in-jena.html
Den Verlauf der Blockadeaktionen nachlesen: https://hoeckestoppen.aktionsticker.org
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https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/126722/6379186 ↩ ↩2
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https://www.rechtsruckstoppen.de/hoecke-stoppen-2-0-4-000-menschen-protestieren-in-jena-gegen-hoecke/ ↩ ↩2 ↩3
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https://www.tagesschau.de/inland/jena-afd-hoecke-demonstration-100.html ↩
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https://www.mdr.de/nachrichten/thueringen/ost-thueringen/jena/afd,hoecke-protest-100.html?egy_cid=6ae194c4657025075a9f0749 (Kommentar von „juust“) ↩
-
https://www.otz.de/politik/article413529386/hoeckes-dunkel-rede-in-jena-unsere-wege-trennen-sich-entlang-der-ethnischen-herkunft.html ↩
-
https://www.jenatv.de/mediathek/86377/Stromausfall_Buergerdialog_der_AfD_vorzeitig_beendet.html ↩
-
https://www.zeit.de/politik/deutschland/2026-10/protest-jena-bjoern-hoecke-afd-thueringen ↩
-
https://www.jenaer-nachrichten.de/stadtleben/30060-hoecke-auftritt-in-jena-trotz-massiver-proteste ↩