Am 3. Dezember 2026 gab der Immobilienunternehmer und Millionär Matthias Beerbaum bekannt, dass er das Gebäude des Instituts für Erziehungswissenschaft in der Straße Am Planetarium 4 gekauft habe. Die Universität ist seit jeher Mieterin in dem Gebäude. Beerbaum ist kein unbeschriebenes Blatt. Er steht der AfD nahe, wird von ehemaligen Mieter*innen als unfairer Vermieter eingeschätzt und posiert als elitärer Kapitalist. Wir teilen die Kritik und das Unwohlsein der Kolleg*innen im Institut für Erziehungswissenschaft mit dem Kaufvorgang und dem Auftreten Beerbaums vor Ort. Wir fordern eine klare Distanzierung der Uni-Leitung, eine offene Diskussion und den Umzug in eine andere geeignete Räumlichkeit. Wir haben im Folgenden Hintergrundinformationen zur Sache zusammengetragen.

Beerbaums Zusammenarbeit mit der AfD

Am 3. Februar 2024 wählte die AfD Beerbaum zum Kandidaten für das Amt des Landrats für den Saale-Holzland-Kreis (SHK). Laut der AfD sei er bereits „als berufener sachkundiger Bürger seit Jahren für die AfD im Ausschuss für Bau, Wirtschaft und Infrastruktur und dem Haushalts- und Finanzausschuss des Kreistages tätig.“1 Am 15. Februar 2024 zog er seine Kandidatur zurück und begründete seine Entscheidung mit einer „Bedrohungs- und Gefahrenlage“ für seine Familie.2 Auf die Frage, ob die Sorge vor der als gesichert rechtsextrem eingestuften Thüringer AfD unbegründet sei, antwortete Beerbaum damals: „Ich finde es bedauerlich, wenn der täglichen Arbeit eine politische Komponente untergeschoben wird, nur weil ich mich als parteiloser Kandidat für mehr wirtschaftliche Stärke in meiner Heimat Thüringen, Fachkompetenz in politischen Ämtern und gegen die ausufernd illegale Migration und fehlende Integration engagieren wollte. Die übergroße Mehrheit der Thüringer stimmt diesen Zielen zu. Wollen Sie dazu jedem dritten Wähler in Thüringen den Vorhalt machen, die AfD gewählt zu haben? Soll das unser zukünftiger Umgang miteinander sein?“ 3

Beschwerden ehemaliger Mieter*innen

Ehemalige Mieter*innen von Beerbaum aus Jena berichteten „Uni gegen Rechts!“ im März 2026 davon, dass Beerbaum sie unfair behandelt und um mehrere Tausend von Euro geprellt habe. Einer WG habe Beerbaum nach dem Auszug die gesamte Kaution sowie die ihr zustehende Nebenkostenrückzahlung einbehalten. Außerdem habe er ihnen mit sehr hohen Schadensersatzforderungen gedroht, da sie die Wohnung angeblich hätten vollständig renovieren müssen. Diese Drohung habe er mit einem „Angebot“ verbunden, innerhalb einer sehr kurzen Frist, eine hohe Summe zu zahlen. Auf die ehemaligen Bewohner*innen habe dies wie eine Masche gewirkt. Im September 2024 berichtete die Thüringer Allgemeine 4 darüber, dass Beerbaum nach dem Kauf der Weimarer Notenbank entgegen erster Versprechungen „einigen Mieterinnen und Mietern, darunter auch gemeinnützige Vereine, gekündigt und neue Verträge mit höheren Mieten angeboten“ habe.

Beerbaum – ein elitärer Kapitalist

Derartige Beschwerden sind keine Überraschung, wenn man sich anschaut, was Beerbaums höchste Ziele und Werte zu sein scheinen: Geld machen, Einfluss gewinnen und Ferraris sammeln. Auf seiner Seite „Immo Master Class“ 5 bietet er Strategiegespräche und Module an und verspricht, Interessierten „Zugang zur Elite der Immobilienbranche“ zu verschaffen. Er wirbt mit folgenden Slogans:

  • „Mit Immobilieninvestments richtig Geld verdienen“
  • „Vergiss die 4 % Rendite der Kleinanleger. Mit den richtigen Strategien und exklusivem Praxiswissen können zweistellige Renditen in kürzester Zeit keine Utopie, sondern Realität sein.“
  • „Es gibt einen Grund, warum die reichsten Menschen der Welt massiv in Immobilien investieren. Werde jetzt Teil dieser Elite!“
  • „Während du schläfst, zahlen deine Mieter die Kredite ab und bauen DEIN Vermögen auf – ein echter Autopilot für deinen Reichtum!“ Laut der Selbstdarstellung auf der Seite habe Beerbaum Immobilienvermögen im Wert von über 100 Millionen Euro.

    Eindrücke von Kolleg*innen

    Zwei Kolleg*innen aus dem Institut für Erziehungswissenschaft berichteten „Uni gegen Rechts!“ im Februar und März 2026 unabhängig voneinander vom Verhalten des neuen Eigentümers in den Räumlichkeiten des Instituts. Als eine Kollegin zur Arbeit gekommen sei, habe beim Eingang des Gebäudes zum Parkhaus eine Limousine gestanden, daneben eine Gruppe von vier bis fünf Männern, von denen einer mit einer Kamera ausgestattet gewesen sei. Die Gruppe habe sich die Liegenschaft angeschaut und dabei mehrfach die Räumlichkeiten von innen gefilmt und fotografiert. Sie haben dabei auch Aushänge, bei denen es um kulturelle Vielfalt ging, sowie die All-Gender-Toilette fotografiert. Beerbaum habe diese Bilder später auf seinem Instagram-Kanal geteilt. Er habe kulturelle und Geschlechtervielfalt nicht weiter kommentiert, aber laut der Kollegin sei es bei der Zielgruppe und der sonstigen Aufmachung des Instagram-Auftritts klar, dass Beerbaum so seine Ablehnung der Inhalte und Ausrichtung des Instituts und der Universität habe zum Ausdruck bringen wollen. Auch eine zweite Kollegin vom Institut schilderte „Uni gegen Rechts!“ gegenüber, wie Beerbaum Bilder der All-Gender-Toilette aus dem Institut auf Instagram teilte, und unterstellte ihm implizite Stimmungsmache gegen Geschlechtervielfalt.

    Die Haltung der Universitätsleitung

    Angesichts der politischen Haltung Beerbaums, seines bisherigen Auftretens und seiner Selbstdarstellung auf Instagram sorgt der Kauf des Institutsgebäudes bei Kolleg*innen, die dort arbeiten, für Unwohlsein und Unmut. Es gab daher in der Sache bereits ein Gespräch zwischen Institutsvertreter*innen und der Universität. Eine Kollegin berichtete „Uni gegen Rechts!“, dass ein*e Vertreter*in der Universität die Angelegenheit entpolitisiert und angeregt habe, Probleme auf der persönlichen Beziehungsebene zu klären. So habe man dem Institut im benannten Gespräch vorgeschlagen, Beerbaum zur Weihnachtsfeier einzuladen. Dieser Umgang habe einige Kolleg*innen des Instituts empört.

    Die rechte Einflussnahme

    Der Kauf des Institutsgebäudes durch Beerbaum zeigt, dass Faschismus keine Bedrohung von außen ist. So wie die AfD demokratische Prozesse nutzt, um an Macht und Einfluss zu gelangen und dabei von innen genau diese demokratischen Prozesse und Strukturen zu zersetzen, so können rechte Unternehmer*innen marktwirtschaftliche Prozesse nutzen, um mehr Einfluss zu erlangen und nach ihren Vorstellungen auf unser Gemeinwesen und gesellschaftliches Leben einzuwirken. Auch wenn Beerbaum kein Elon Musk ist, zeigt dieses Beispiel, dass Milliardäre und Millionäre eine Bedrohung für uns darstellen, dass die unbegrenzte Konzentration von Eigentum, Reichtum und Macht die selbst erklärten demokratischen Werte unserer Gesellschaft zu ersticken droht. Im Fall der oben erwähnten Aufkündigung der Mietverträge von Vereinen in der Weimarer Notenbank durch Beerbaum 2024 erklärte die Landesvorsitzende der Thüringer Linkespartein Ulrike Grosse-Röthig: „Zivilgesellschaft ist heute in Gefahr, und wir müssen gut aufpassen, dass wir uns nicht irgendwann die Augen reiben, weil niemand mehr da ist, um Weimar bunt zu halten.“ 6 Im vorliegenden Fall hat ein AfD-naher Immobilienunternehmer ein Gebäude gekauft, das von einer liberal bis progressiv ausgerichteten Einrichtung genutzt wird. Beerbaum selbst scherzte in seinem Instagram-Account, dass er die Uni gekauft habe, und tatsächlich wirkt er über seine Gruppenbesuche und Veröffentlichungen auf Instagram bereits in die Universität hinein. Daher ist es ein Fehler, wenn die Universität, so wie es scheint, diesen Kauf als einen normalen Vorgang bewertet. Wenn wir uns als Belegschaft und als Universitätsgemeinschaft gegen die faschistische Einflussnahme wehrhaft machen wollen, müssen wir genau diese Vorgänge in ihrer Tragweite ernst nehmen, eine politische Haltung entwickeln und da, wo es notwendig ist, protestieren und Konsequenzen einfordern.

    Aktionen starten

    Als Gewerkschaftsinitiative rufen wir alle unseren Kolleg*innen und Mitstudierenden dazu auf, nicht untätig zu bleiben, sondern sich einzumischen.

  • Informiert eure Leute und diskutiert über den Kauf des Institutsgebäudes durch den AfD-nahen Immobilienunternehmer Beerbaum.
  • Teilt diese Veröffentlichung bzw. verteilt den Flyer.
  • Behandelt die Angelegenheit in euren Gremien – Fachschaftsräte, Personalrat, Institutsrat, Fakultätsrat usw.
  • Macht eure Haltung über Poster, Botschaften und Fahnen im Institutsgebäude sichtbar.
  • Überlegt euch Aktionen wie Kundgebungen, Boykotte, Besetzungen.

    Lösungen finden

    Wir fordern, dass die Universität das Mietverhältnis mit Beerbaum so schnell wie möglich beendet. Es kann nicht sein, dass die Universität über die Mietzahlungen den rechten Immobilienunternehmer noch weiter bereichert. Dabei darf ein Umzug in geeignete Räumlichkeiten nicht zu Lasten der Kolleg*innen und Studierenden gehen. Uni gegen Rechts, Jena, April 2026

  1. https://afd-thueringen.de/kv-gera-jena-shk/2024/02/parteiloser-matthias-beerbaum-zum-landrats-kandidaten-fuer-den-shk-gewaehlt/ 

  2. https://www.otz.de/regionen/saale-holzland-kreis/article241685708/Matthias-Beerbaum-zieht-Kandidatur-fuer-AfD-zur-Landratswahl-im-Saale-Holzland-Kreis-zurueck.html 

  3. https://www.thueringer-allgemeine.de/lokales/weimar-und-weimarer-land/article407295857/mieter-besorgt-nach-verkauf-der-weimarer-notenbank.html 

  4. https://www.thueringer-allgemeine.de/lokales/weimar-und-weimarer-land/article407295857/mieter-besorgt-nach-verkauf-der-weimarer-notenbank.html 

  5. https://www.beerbaum.immo/ 

  6. https://www.thueringer-allgemeine.de/lokales/weimar-und-weimarer-land/article407295857/mieter-besorgt-nach-verkauf-der-weimarer-notenbank.html 

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